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Messebericht, der erste

Veröffentlicht am 12.10.2017

Donnerstag, 12.10.2017

Für mich der erste Messetag.

 

Auf ins Abenteuer – Peter, der niederländische Busfahrer (ich bin mit Flixbus gefahren und das Ziel des Busses war Amsterdam) war gut drauf und witzig, mit seinem Rudi-Karell-Akzent, der Bus war wieder schön unterbesetzt, so dass jeder einen Doppelsitz hatte und die Sonne schien.

 

Darüber, dass der Busbahnhof in Frankfurt umgezogen war, schweigen wir lieber. Ich will mich auch nicht beklagen, ich danke nur mal wieder meinem offensichtlich guten Orientierungssinn, der mir geholfen hat, die Messe ohne Umwege zu finden ;-) (Der Busbahnhof sollte eigentlich vor dem Hauptbahnhof sein. Und von da kenne ich den Weg.)

Es hätte trotzdem wunderbar zu der ersten Veranstaltung auf meiner Liste gereicht, wenn meine innere Stimme A auf meine innere Stimme B gehört hätte. B meinte nämlich, ich solle doch nochmal nachschauen, ob Halle 3.0 oder Halle 3.1. Aber nein, innere Stimme A war der felsenfesten Meinung, es sei Halle 3.0. So bin ich statt bei der FAZ bei der Süddeutschen Zeitung gelandet. Und statt einer Journalistin, die über die Arbeit »hinter dem Dschihad« berichten wollte, ein Autor, der das Buch »Tödlich Naher Osten« geschrieben hat. Es war aber trotzdem richtig interessant und das Wortspiel im Titel gefällt mir echt.

 

Leider musste ich früher gehen, denn die »echten Ganoven« wollte ich nicht versäumen.

Fünf ehemalige Gefängnisinsassen -jeweils mindestens zehn Jahre hinter Gittern-, die sich zusammengetan und eine Anthologie herausgegeben haben. Fünf bzw. vier beeindruckende Persönlichkeiten, die echt was zu sagen haben. Der eine, ein schon älterer Typ mit dieser speziellen Art von Humor (Vorstellungsrunde: Ich bin ich) schreibt jetzt wohl regelmäßig Drehbücher für den Tatort. Er hat, eben mit jener bestimmten Art von Humor, eine Geschichte über einen wohnungslosen, staatenlosen Gefängnisinsassen geschrieben (und vorgelesen), der den Fehler macht, während seines Aufenthaltes hinter Gittern zu versterben und damit die Verwaltung vor fast unlösbare Probleme stellt. Eine eigentlich richtig traurige Geschichte, aber wie gesagt, mit Humor verpackt. Der nächste sah richtig gut aus. Bad Boys haben wirklich etwas Besonderes. Das wissen Autorinnen von Liebesromanen wie ich natürlich. Aber ist er wirklich ein Bad Boy? Er hat doch »nur« wegen Bankraubs eingesessen. Im Vorwort hat er über die Reaktionen der Menschen geschrieben, wenn sie hörten, dass er ein verurteilter Bankräuber sei. Ihm ist viel Verständnis entgegengebracht worden. Denn diese Bänker sind ja selbst alle Verbrecher. Sagt ja schon Berthold Brecht. Verständnis und heimlicher Neid.

Der dritte (eigentlich der erste, ich bin gerade mit der Reihenfolge durcheinandergeraten) hat begonnen, die Geschichte einer jungen Frau vorzulesen, die von ihrem »Liebhaber« zum Drogenschmuggel missbraucht wird. Davon, wie er sie in sich verliebt macht, dann aber von Mal zu Mal schlechter behandelt.

Ich hatte ja oben geschrieben, dass es vier der fünf Autoren waren. Die einzige Frau war in der Vorbereitung nicht erreichbar gewesen und »verschollen«. Ob sie wieder rückfällig geworden, wieder im Gefängnis ist? Sie wussten es nicht. So etwas kann wohl leider immer wieder vorkommen. Deshalb hatte sich der vierte entschlossen, eine Geschichte von ihr vorzulesen. Der tief gehende Bericht einer jungen Frau vom Straßenstrich, die uns an ihren Gedanken teilhaben lässt. Die ihrer Sucht und dem Freier ausgeliefert ist, der sich als verdeckter Ermittler zu erkennen gibt, der ihre Lage ausnutzt und seine Stellung missbraucht, um sexuelle Handlungen von ihr zu erpressen.

 

Ich habe mitgefiebert und mitgelitten. Und nochmal: Es sind Geschichten, von Menschen geschrieben, die das so oder so ähnlich selbst erlebt haben. Nicht solche Schreibtischtäter wie ich.

 

Warum schreien denn jetzt meine Wunschliste und mein SuB? Ich habe den Gedanken doch noch gar nicht zu Ende gedacht. Ja, ich weiß, dass ich zur Buchmesse gefahren bin, um für den Selfpublisher-Verband und meine Bücher Werbung zu machen, nicht, um neue Bücher zu entdecken. Und ich weiß, dass ihr beide lang und groß seid. Aber eh, das sind doch nur kurze Geschichten, völlig harmlos.

Ihr merkt: Meine absolute Leseempfehlung: Zappenduster, herausgegeben von Hubertus Becker, erschienen im Rhein-Mosel-Verlag.

 

So, jetzt bin ich ein bisschen ins Schwärmen geraten. So viel wollte ich gar nicht schreiben. Immer diese Roman-Autoren.

 

Ich versuche, mich ab sofort kürzer zu fassen.

 

Nächster Termin: ARD-Bühne: Der -leider ehemalige- Ludwigshafener Tatort-Kommissar Mario Kopper (wie heißt der Schauspieler in echt nochmal? Mist!) wollte, nachdem er rund 20 Jahre die Rolle gespielt hat (also der Schauspieler, nicht Mario Kopper, Mario Kopper ist die Rolle ;-) ) würdig Abschied nehmen. Die Mutter von der Rollenfigur Mario Kopper kam aus Sizilien und die Verbindung dorthin schwang in den Tatort-Filmen immer mal wieder mit. Also machte sich der Schauspieler von Mario Kopper auf den Weg. Zum ersten mal auf die größte Mittelmeerinsel. Und hat ein Buch geschrieben. Über seine Reiseerlebnisse. Und seine Begegnungen und neuen Bekanntschaften. Und über die Kochtöpfe, in die er schauen durfte. Und die Rezepte. Entstanden ist ein Reiseführer-Kochbuch. Und in dem, was er daraus vorgelesen hat, schwang diese Liebe und Sehnsucht mit, die ich auch kenne. Ich habe mir ein Tränchen wegwischen müssen.

 

Danach stand eigentlich »eine Stunde Zeit zum Standbummel« auf dem Plan. Spontane Planänderung: Das Wetter war so wunderschön, dass ich mich lieber draußen in die Sonne gesetzt habe. Und die Securitys des belgischen Königspaars beobachtet habe, die gerade angekommen waren. Ja, Lorenzo, ich weiß, dass du auch noch da bist. Aber bleibe bitte noch ein bisschen in deiner Schublade, auch wenn mich das alles an dich erinnert habe. Und immer noch nicht aufgeklärt ist, wer den Anschlag auf den Fürsten verübt hat, der dich fast ebenfalls das Leben gekostet hätte. Nach dem NaNo schaue ich wieder nach dir, okay? sicherheitshalber mal die Finger hinter dem Rücken kreuz

 

Und es gab ja noch mehr zu beobachten. Schick gekleidete Frauen mit eng anliegenden Minnikleidern und tollen Beinen, die in flachen, groben, aber bequemen Schuhen steckten zum Beispiel. Sie haben mein vollstes Verständnis. Witzig fand ich es trotzdem irgendwie ;-)

 

Jedenfalls: Es gehört ja zu den Hobbys vieler Autoren: Andere beobachten. Und das habe ich ausführlich getan. ;-)

 

Nächster Termin: Jan Weiler, der Autor von »Maria ihm schmeckts nicht. Mit viel zu vielen Menschen auf viel zu kleinem Raum. Außerdem hat er am Anfang nur über seine Familie erzählt hat. Und schön für ihn, wenn er Schreibblockaden nur als »Autorenfolklore« kennt. Aber klar, es ist schon auch ein Unterschied, ob er das als Journalist macht und Abgabetermine hat und nichts »nebenher« macht oder ob man sich neben einer anderen Arbeit abends noch motivieren muss. Und den ein oder anderen Tipp fand ich dann doch ganz nützlich.

 

Und dann zum Abschluss zu meinem »Dienst« am Stand des Selfpublisher-Verbandes. War eigentlich wie immer, lustig und nette Leute kennengelernt.

 

Noch ein kleiner Wermutstropfen – Flixbus hatte eineinviertel Stunden Verspätung. Keine Nachricht, obwohl ich meine Handynummer angegeben hatte. Ich stand am Busbahnhof herum, hatte Hunger und war müde. Und dann einfach nur froh, als er endlich kam. Da war dann egal, dass das Internet nicht funktioniert hat. Aber eh, ich hatte dadurch keine Ablenkung und bin wunderbar weitergekommen mit Schreiben von … sag ich nicht ;-)

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